Interviewreihe: Christian Bethge

Der Veranstalter Christian Bethge über den 2. Mannheimer Brückenaward

Christian Bethge

 

Veranstalter: Christian Bethge, Joachim von Hunnius, Martin Junkers

Genre: von Progressive Rock bis Rap, von Indie bis Experimental

Homepage: www.brueckenaward.de

 

Am Samstag, den 6. August 2011, ging der Mannheimer Brückenaward nach seiner erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr nun in die zweite Runde. Auch das schlechte Wetter konnte dem kleinen Festival nichts anhaben und das Event wurde ins Jugendkulturzentrum FORUM verlegt. Was ermöglichte den kurzfristigen Location-Wechsel und wie wirkte er sich auf die Veranstaltung aus?

Für uns intern war es natürlich erstmal eine schwierige Entscheidung, das Ganze indoor stattfinden zu lassen, da die eigentliche Location ja maßgeblich zum besonderen Charme des Festivals beiträgt. Als wir uns dann am Vortag getroffen haben, um die Anlage einzuladen war das angekündigte Wetter natürlich sofort ein Thema. Schließlich steht da Technik im Wert von circa 15 000 € auf der Bühne, die von allen Bands zusammengetragen wird, und wir tragen diesbezüglich auch eine gewisse Verantwortung. Beim Brainstorming sind wir dann schnell aufs Forum gekommen und sind anschließend dorthin gefahren, um persönlich unser Anliegen zu schildern. Nach einigen Gesprächen sowie einem längeren Telefonat mit Katrin Heinelt war dann – im wahrsten Sinne des Wortes – alles in trockenen Tüchern. Wir mussten danach natürlich schnellstmöglich alle Kanäle befeuern und die Leute informieren, was wohl auch ganz gut geklappt hat, denn schließlich war der Brückenaward wieder ein großer Erfolg. Außerdem haben wir so auch das Potenzial des Forums kennengelernt.

Die Band Madventure bei ihrem Auftritt

Die Bands Bonobo Riot, Madventure, HomeBeatHome, 8-Balls On Fire, SuperPancho sowie Glanz und Gloria, bei der du selbst mit Gitarre und Electronics auf der Bühne zu sehen warst, boten dem Publikum ab ca. 18:00 Uhr eine breite stilistische Palette von Progressive Rock bis zu Indie, Rap, Electro und Experimental. Nach welchen Kriterien wählt ihr die Bands aus und welche Musikrichtungen bevorzugt ihr dabei?

Bei der Auswahl haben wir keine festen Kriterien, aber die Qualität muss natürlich stimmen und die Band muss mit der Ideologie des Festivals konkordant sein. Das finanzielle Outcome spielt für uns eigentlich nur dahingehend eine Rolle, dass wir damit etwas Gutes tun wollen und so fallen dann natürlich auch die Gagen aus. Wie sich das in Zukunft entwickelt, bleibt abzuwarten und sicher auch für uns spannend. Was die Musikrichtung betrifft, so ist mir das ziemlich egal, da ich mit dieser Trennung persönlich sowieso nichts anfangen kann und das somit auch für das Festival obsolet wird. Joachim und Martin sehen das sicher genauso.

Projektor Pearson

Projektor Pearson sorgte mit alten Analog-Diaprojektoren für spektakuläre Visuals. Kannst du etwas genauer sagen, wie dieser VJ live arbeitet?

Der Typ ist einfach unglaublich! Bis zum Brückenaward kannte ich ihn auch nicht, aber dort hat er mich einfach umgehauen. Was andere mit ihrem Laptop, Touch Designer usw. generieren, ist oft nicht so beeindruckend wie dieser Kerl, der mit seinen alten Analogprojektoren, Folien und Motiven so erstaunlich organische Visuals erzeugt. Zudem ist er ständig in Bewegung! Leider ein Manko bei vielen Laptop-VJs, bei denen viel über die Sequenzierung vorgegeben ist. Bleibt zu hoffen, dass er auch für weitere Projekte zur Verfügung steht und Lust darauf hat.

Die ganze Veranstaltung kostete erneut keinen Eintritt, stattdessen hatten die Festivalbesucher die Option zu spenden. Außerdem gab es wieder ein Salatbuffet plus Freibier! Denn dem Brückenaward liegt die Idee eines Underground-Festivals mit gezielt unkommerziellem Anliegen zugrunde. Was hat euch dazu veranlasst, ein Event wie dieses auf die Beine zu stellen?

Die Idee eines Festivals ging ursprünglich von Martin und Joachim aus, die sich bei einem Gig kennengelernt haben, und Martin fragte mich irgendwann, ob ich nicht auch Interesse an so einem Event hätte. In erster Linie wollten wir Bands eine tolle Möglichkeit bieten, ihre Musik zu präsentieren, und so die Szene in Mannheim etwas bündeln. Meiner Meinung nach spielt die Überzeugung und Idee bei so etwas die größte Rolle. Was nützt schon eine wahnsinnige Professionalisierung, wenn bereits einen Tag nach der Veranstaltung alles wieder verpufft, da letztendlich alles nur auf Verbindlichkeiten beruht. In unserem Fall war die Unterstützung aus der Szene wirklich beeindruckend. Jeder hat sofort sein Bestes gegeben und ich denke, dass das die Leute auch erkannt haben – nur so kann ich mir diese Spendenbeträge erklären.

Christian Bethge (links) und Joachim von Hunnius verkünden, dass die Einnahmen des Awards einer Hilfsorganisation in Somalia zugute kommen

2010 konntet ihr durch Publikumsspenden die Kosten für das Festival decken und habt davon 400 € für die Opfer der letztjährigen Flutkatastrophe in Pakistan aufgebracht. Dass euer Festival nicht profitorientiert angelegt, sondern konträr dazu sogar von sozialem Engagement geprägt ist, zeigt sich auch dieses Jahr wieder: Die Publikumsspenden fielen zwar etwas niedriger aus, doch da sich die Bands bereit erklärten, unentgeltlich zu spielen, möchtet ihr den Gewinn an eine Hilfsorganisation in Somalia stiften. War dieser wohltätige Zweck schon bei der Konzeption des Brückenawards eingeplant?

Ehrlich gesagt kam uns die Idee am Tag des ersten Brückenawards und die damalige Flutkatastrophe hat diesen Gedanken natürlich gefördert. Nach kurzer Absprache mit den Bands haben wir uns dann entschieden, dass der „Award“ einen wohltätigen Zweck erfüllen soll und so haben wir den Gewinn dann gespendet. Ursprünglich wollten wir den Betrag dieses Jahr gerecht an die Bands aufteilen, aber alle Beteiligten waren für den Erhalt dieser Tradition und was bietet sich derzeit mehr an als dieses Desaster in Somalia. Ich kann auch jetzt nur darauf aufmerksam machen, dass diesbezüglich noch etwas mehr geschehen muss.

Wie ist die Organisation und Promotion des Festivals unter euch aufgeteilt und mit wem arbeitet ihr zusammen? Welche Rolle spielt dabei die Popförderung Mannheim?

Eine feste Zuordung gibt es keine, aber mittlerweile hat sich eine Aufteilung herauskristallisiert. Martin kümmert sich um die Verträge mit dem Land und die Absprache mit der Polizei, Joachim widmet sich intensiv den Bands und allerlei technischen Hürden und ich bin für die Deals und Kommunikation zuständig – die Grenzen sind da aber oft fließend. Vorab kümmern wir uns alle gleich stark um die Bewerbung, also Plakate und Flyer im do-it-yourself-Verfahren. Beril Yilmam, respektive Sebastian Dresel, haben uns natürlich in erster Linie finanziell geholfen und uns wichtige Anlaufstellen genannt, die wir für die Genehmigungen angehen mussten.

Der Name „Mannheimer Brückenaward“ liest sich mit einem Augenzwinkern. Welchen Hintergrund hat er genau?

Es gab mal eine Zeit in Mannheim, da sprach jeder von „Awards“ (lacht). Wir haben diesen Begriff etwas ironisch aufgefasst und in unser Konzept übertragen. Wie man merkt, ist unser Name sowie die grafische Gestaltung ziemlich entrückt von der eigentlichen Veranstaltung, aber das ist schon gut so und die Leute dürfen sich gerne wundern.

Ihr betont die Eigenschaft eines „Underground“-Festivals. Das heißt, ihr möchtet vor allem den institutionsunabhängigen Bands eine Plattform bieten?

Für mich sind diesbezüglich die einzig relevanten Institutionen immer noch die Labels, aber ich weiß auf was Du hinaus möchtest und nein, wir sind keiner Institution abgeneigt! Wie bereits gesagt, muss nur alles unter einen Hut passen und wir sind da gerne für alles und jeden offen. Unser Bandpool ist ja irgendwann auch aufgebraucht. Tipps, Ideen und Anregungen sind sogar durchaus willkommen.

Seit wann bist du in der regionalen Musikszene tätig und was hat dich diesbezüglich geprägt?

Eigentlich komme ich mehr aus der technischen Ecke der Musik und bin als Mastering-Ingenieur schon seit vielen Jahren für Bands aus der Region aber auch auf internationaler Ebene zuständig. Mein Schwerpunkt liegt auch da im „Indie-Sektor“ und neben vielen kommerziellen Projekten habe ich auch immer versucht auf ehrenamtlicher Ebene künstlerisch relevante Projekte wie z.B. das Thinner Netlabel (übrigens aus Mannheim) oder Petites Planetes zu betreuen. Petites Planetes ist relativ jung und ein Label des mittlerweile schon fast legendären Filmemachers Vincent Moon, der ansonsten für die Take Away Shows bzw. La Blogothèque zuständig ist. Was mein direktes Umfeld betrifft, so war ich immer von dem musikalischen Output aus Mannheim und der Region beeindruckt.

Wie hat sich die regionale Musikbranche aus deiner Sicht über die Jahre entwickelt? Und hast du aktuell Verbesserungswünsche?

Es gibt wirklich tolle Ansätze, aber es fehlen definitiv ein kleiner Club bzw. noch mehr Auftrittsmöglichkeiten. Dieses Thema wurde ja aber auch schon intensiv durchgekaut und es wäre toll, wenn diesbezüglich bald etwas passieren würde. Szene darf ja nicht nur auf dem Papier oder als Idee stattfinden, sondern benötigt natürlich ein hohes Maß an Lebendigkeit und Interaktion.

Die Band Glanz und Gloria nach erfolgreichem Konzert

Dürfen wir uns auf den 3. Mannheimer Brückenaward freuen? In anderen Worten: Habt ihr vor, das Festival zu einem festen Bestandteil der Mannheimer Musikszene zu etablieren und wenn ja, gibt es schon konkrete Pläne für 2012?

Der Mannheimer Brückenaward ist doch schon fester Bestandteil (lacht)! Natürlich kostet uns die Organisation viel Kraft, aber wenn wir dann am Tag der Veranstaltung das alles live erleben, wird uns klar, dass sich die Mühe absolut gelohnt hat. Somit ist die Antwort wohl klar und auch nächstes Jahr dürfen sich wieder alle auf ein Festival unter der Brücke freuen. Ansonsten plane ich im Alleingang noch etwas, aber dafür gibt es erst in den nächsten Wochen definitive Informationen.

Danke für das Interview!

Fotografie: Florian Köhler

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