Hermann Art Kollektiv Interview

„Was für eine Geschichte erzählt werden wird, weiß ich selbst noch nicht, obwohl ich sie erzählen werde.“

Jens Wienand (Mitbegründer des Hermann Art Kollektivs) im Gespräch mit dem Clustermanagement Musikwirtschaft über das Hermann Art Kollektiv Festival

Hermann Art Kollektiv

Hermann Art Kollektiv

Seit September 2012 bist du beim Hermann Art Kollektiv aktiv. Erzähl doch mal, was ist das Hermann Art Kollektiv überhaupt?

Das Hermann Art Kollektiv ist ein Künstlerkollektiv, das sich aus Jazz Musikern der Metropolregion zusammensetzt. Wir sind 10 Mitglieder – davon sind 8 Musiker, plus ich als derjenige, der sprachlich und inhaltlich zuliefert und Christina Stihler, die bekannt ist durch ihren „Projekt-E“ Film und sich um die visuelle Konzeption kümmert. Wir denken, dass wir hier die Crème-de-la-Crème der Leute, die hier ein gewisses Standing haben, nach außen repräsentativ zusammengeführt haben. Und der Sinn dieses Zusammenschlusses war darin begründet, dass man ein Kollektiv machen wollte, das nicht nur Jazz im Fokus hat, sondern auch interdisziplinär arbeitet. Das heißt also, mehrere Kunstrichtungen mit der Musik zusammenbringt.

Ihr arbeitet ja mit Menschen aus verschiedenen künstlerischen Bereichen wie Fotografie, Film, Literatur und Theater zusammen. Wie genau gestaltet sich da die Zusammenarbeit?

Wir arbeiten da ganz urdemokratisch und das funktioniert eigentlich auch sehr gut. Alle Leute, die da am Tisch sitzen, sind Macher, die selbst verschiedene Projekte am Laufen haben und natürlich auch ihre eigenen Kombos haben. Von daher war es nicht schwierig, alle Beteiligten davon zu begeistern, dass jetzt etwas passiert und aktiviert werden soll. Sonst hätten wir uns wahrscheinlich auch gar nicht zusammengefunden.

Was war denn die zugrunde liegende Vision des Kollektivs?

Eine der Sachen die uns natürlich antreibt, ist, etwas Großes und etwas Besonderes in der Metropolregion aufzumachen. Dass wir jetzt dieses Festival nur in Mannheim veranstalten, hat lediglich organisatorische Gründe gehabt. Wir wären damit auch gerne noch weiter bis Heidelberg oder Ludwigshafen rausgegangen. Aber für den Startschuss und dafür dass von der Grundidee bis zum Festival nur neun Monate vergangen sind, ist das schon relativ fett vom Programm her. Die Idee war, dass wir als Zusammenschluss von Akteuren, die wir ja schon auf verschiedenen Ebenen bekannt sind, eine kulturpolitische Marke setzen möchten als Gegengewicht zu etablierten Strukturen. Jeder von uns macht sowieso schon sehr viel, aber jetzt mit dem Kollektiv zusammen und nun auch mit dem ersten Festival entsteht eine Besonderheit, die es in der Form noch nicht gegeben hat und die auch deutschlandweit in diesem Bereich neu ist.

Was steht denn auf dem Programm des Hermann Art Kollektiv Festivals?

Wir haben uns überlegt: Wenn wir mal ein Festival machen würden, wie könnten denn die einzelnen Tage aussehen und was würde ich denn selbst gerne sehen? Das war so die Grundüberlegung und dann haben wir überlegt: Wer sitzt denn hier alles am Tisch? Es war von vorneherein klar, dass das Festivalprogramm nicht so aussieht wie bei anderen Festivals. Dass man eben nicht einfach nur bestehende Kombos spielen lässt und das als Festival aufzieht, sondern alles, was hier passiert, sind Premieren. Diese Kombination von Musikern, die da stattfindet, gibt es ansonsten so nicht zu sehen und wird es wahrscheinlich danach auch selten zu sehen geben – das ist schon eine große Besonderheit. Es ist eben nicht das „Alexandra Lehmler Quartett“ und nicht das „Thomas Siffling Trio“, sondern das sind die Kombinationen von den einzelnen Musikern in der Auseinandersetzung mit der dazukommenden Kunstrichtung. Mit dem Ballett sind wir zum Beispiel am Samstag im Tanzhaus oder am Donnerstag mit dem Jazz Poetry Slam in der Alten Feuerwache. Das sind wirklich große Themen, die da aufeinandertreffen. Und es ist auf jeden Fall vom Programm her so, dass man – auch wenn man jetzt keinen direkten Draht zur Jazzmusik hat – angesprochen wird und an den Abenden vor Ort den Zugang findet. Ich selbst bin auch kein Jazzer, aber das ist einfach etwas, das man live sehen muss. Ich bin nun fast jeden Tag des Festivals bei einem Projekt involviert, entweder als Sprecher oder im Sounddesign, und hatte gestern erst eine Probe für das Wagner-Set am Samstag. Und auch wenn man da nur ein oder zwei Sachen, wie zum Beispiel den „Walkürenritt“, erkennt, ist das echt Wahnsinn. Diese Motive sind da wirklich erfahrbar und die Sounds des Orchesters mit den drei Instrumenten haben mich sehr beeindruckt.

Wie war das denn für dich, mit anderen Kunstrichtungen zusammenzuarbeiten? Ergab sich daraus etwas Unerwartetes?

Mir macht es Spaß, mich künstlerisch auf neue Dinge einzulassen. Wir haben ganz viele Projekte, wo ich jetzt auch noch gar nicht genau weiß, was da an dem Abend passieren wird – zum Beispiel die „Heldenreise“. Das wird ein Film, der bei den Leuten im Kopf entsteht. Wir haben Hintergründe, die Christina erarbeitet, wir haben einen Soundtrack für den Film und was für eine Geschichte erzählt werden wird, weiß ich selbst noch nicht, obwohl ich sie erzählen werde. Wir fragen dann das Publikum, um wen es geht und was die Schwerpunkte sind. Nach der Dramaturgie von Vogler, der den Zyklus der Heldenreise im Film analysiert hat, wird dann eine Geschichte erzählt werden. Und das finde ich natürlich auch schön und interessant, weil ich bisher weder den Soundtrack gehört noch die Bilder gesehen habe. Das wird für alle Beteiligten eine sehr spannende Angelegenheit und so sind eigentlich alle Projekte angelegt. Auch das Kollektiv hat nicht alle Programmpunkte gesehen, da entstehen teilweise jetzt auch ganz neue Sachen an den Abenden selbst. Wo man dann, selbst wenn man mit geprobt hat, gar nicht weiß, was alles passieren wird. Außerdem ist natürlich auch sehr spannend, dass die Altersspanne bei uns im Team sehr groß ist. Ich und Christina sind mit 32 die Jüngsten und Klaus ist mit 60 der Älteste. Das sind dann fast 30 Jahre Generationenunterschied, die dort zusammen auf eine Vision hinarbeiten und das wird, denke ich, auch sehr cool. Dadurch sprechen wir – verglichen mit dem üblichen Jazzpublikum – hoffentlich auch zusätzlich jüngere Besucher an.

Was ist das Motto des Festivals? Habt ihr da eine bestimmte Linie, die sich durch das gesamte Programm zieht?

Das Thema ist eigentlich „Wir feiern Geburtstag!“. In diesem Rahmen gibt es am Mittwoch erst mal eine Begrüßungsparty, am Freitag steht das Programm unter dem Aspekt „Helden und Legenden“, da in diesem Jahr zum Beispiel auch Supermann 60 geworden ist, und auch mit Wagner wird am Samstag 200. Geburtstag gefeiert. Es wird daher immer mal wieder diese Geburtstagsfeierlichkeit und das Heldenthema auftauchen.

Ihr habt ja beim Hermann Art Kollektiv das Motto, dass ihr ein Stück von eurem Kuchen weiterreicht. Was wollt ihr dem Publikum bei diesem Festival weitergeben?

Die Grundidee von diesem Hermann Kuchen ist, dass man einen Teil behält und für sich selbst verwendet und einen Teil an andere Leute weitergibt. Wir sehen das als Künstler genauso. Das Spannende bei diesem Kollektiv ist, dass jeder seine künstlerische Besonderheit dazu gibt und sich selbst dann ein Stück von den anderen mit rausnimmt. Das machen wir jetzt erst mal nur im Rahmen des Kollektivs, soll aber als Idee in Zukunft immer auch mal Leute von außen miteinbeziehen. Das Festival, das wir nun als Hermann Art Kollektiv veranstalten, wird bis zum nächsten Jahr hoffentlich schon so gewachsen sein, dass man noch mehr Künstler mit dabei haben kann. Und dieses Zusammenspiel von verschiedenen Akteuren ist eben unsere „Hermann-Idee“.

Wir sind gespannt, ob wir beim Hermann Art Kollektiv Festival vom 12. -16. Juni ein Stück vom Kuchen abbekommen. Vielen Dank für das Interview!

Die Fragen stellte Vivien Cahn.

Mehr Informationen, das Programm und Tickets zum Hermann Art Kollektiv Festival gibt es unter www.hermannartkollektiv.de und auf facebook.

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