i am poet. machen ihr Schwimmabzeichen

Die Mannheimer Band steht dem Clustermanagement Musikwirtschaft Rede und Antwort über das Hochwasser, die regionale Unterstützung und ihre Zukunftspläne

Überschwemmung: Was ist passiert?

Hallo i am poet., in den letzten Wochen gab es von euch schon Einiges zu hören, aber erzählt doch noch mal kurz, wer ihr seid und was euch passiert ist.

Wir sind Max, David & Elias alias i am poet. Wir studieren hier in Mannheim und Heidelberg Musikbusiness, Musikdesign und Musiktherapie. Wir schreiben und spielen elektronischen Indie. Anfang Juni wurden wir in unseren Plänen zu touren und unser Debütalbum zu veröffentlichen allerdings ziemlich zurückgeworfen, da unser Proberaum vom Hochwasser des nahgelegenen Hafenbeckens überschwemmt wurde. Wir hatten etwas Glück, dass das Wasser nicht bis zum Fenster ging und die Tür soviel abgehalten hat, sodass zum Zeitpunkt unseres Eintreffens das Wasser nur etwa bis zu den Knien reichte. So konnten wir noch einige Sachen vor dem sicheren Defekt retten und Equipment, das auf dem Boden stand (was in unserem Fall fast alles war), aus dem Wasser fischen und durch das Fenster in die – perverserweise – scheinende Sonne legen. Der emotionale und finanzielle Schaden ist allerdings immer noch sehr hoch.

Reaktion: Wer hat geholfen & wie?

Nach der Überschwemmung gab es ja eine regelrechte Flutwelle an Unterstützungen, wer hat mitangepackt?

Die erste Unterstützung haben wir quasi direkt vor Ort beim Ausräumen bekommen. Dort haben uns Mitarbeiter der nahegelegenen Speditionsfirma beim Ausräumen geholfen, deren Lager glücklicherweise verschont geblieben ist! In den Tagen darauf haben viele unserer Kommilitonen von der Popakademie bei der Säuberung und Durchführung von leichten Reparaturen geholfen. Die größte Unterstützung kam jedoch zweifellos durch die unglaubliche Finanzspritze, die wir von Spendern aus der ganzen Region erhalten haben. Über die Spendenaktion aber auch tolle Einzelaktionen wie den Kuchenverkauf an der Popakademie, die Straßenmusik von Kommilitonen und das Benefizkonzert von TL Mazumdar haben wir mittlerweile soviel Geld zusammenbekommen, dass wir hoffentlich bald wieder loslegen können. Das Sahnehäubchen war dann natürlich noch das 1000€ Endorsement von BackstagePRO und Adam Hall. Das ist wirklich Wahnsinn und hilft uns ungemein!

Euer Dilemma wurde auf facebook fleißig von Freunden und Musikern geteilt und auch bei eurem fröhlichen Kuchenessen zeigten sich Viele hilfsbereit. Wie würdet ihr die Zusammenarbeit in der Mannheimer Musikregion beschreiben?

Das war einfach unglaublich. Ich glaube aber auch, dass andere Musiker unsere Verzweiflung in diesem Moment am ehesten mitfühlen konnten. Schön war vor allem, dass wir von vielen Musikern Angebote für Sachspenden oder Leihgaben erhalten haben, um direkt nach dem Dilemma nicht ganz mit heruntergelassener Hose dazustehen. Da haben sich Mannheim und seine Kulturakteure wirklich von der besten Seite gezeigt!

Ironischerweise ist eure neue Single mit dem Namen „Raindrops“ betitelt. Sind die Verkaufszahlen auch so schnell gestiegen wie das Hochwasser? Wie viele Songs wurden letztendlich heruntergeladen?

Uns ging es bei dem Song ja nicht vorrangig um den Verkauf sondern eher darum, Spendern gleich ein gewisses Dankeschön zurückzugeben. Alles in Allem wurde der Song ca. 200 Mal heruntergeladen, was in etwa der Anzahl der Spender entspricht.

„Here I lie between some earthworm corpses and I try to remind myself of those good times“ heißt es in eurem Song „Raindrops“, da habt ihr die Zukunft schon fast vorhergesehen. Was treibt euch zum Weitermachen an?

Einen „Antrieb“ zum Weitermachen brauchen wir gar nicht. Die Frage jetzt irgendwie einen Cut zu ziehen und erst mal alles niederzulegen, stand auch nie im Raum. Wir machen einfach weiter, weil wir gar nicht anders können.

Zukunft: Wie geht es weiter?

Worin wurde dann als erstes wieder investiert?

Die 1000€ haben wir bei Adam Hall hauptsächlich für neue Mikrofone und Mischpulte ausgegeben, da die alten leider nach dem Wasserschaden nicht mehr einwandfrei funktionieren. Dazu kamen noch ein paar Stative und das wichtigste: Ein Kabeltester! Das hilft uns jetzt bei der Fehlersuche erst mal ungemein.

In einem Interview Anfang dieses Jahres antwortete David auf die Frage nach euren nächsten Plänen: „viel Zeit im Proberaum verbringen, eine gute Show auf die Beine stellen und Gigs spielen“. Wie haben sich diese Pläne nun verändert?

Nun ja, bis auf die Sache mit den Gigs bleibt der Plan erst mal erhalten. Wir sind in unserer Zeitplanung jetzt einfach etwas zurückgeworfen worden und durch die momentane, zwangsmäßige Pause müssen und wollen wir uns erst mal wieder ein paar Wochen in unserem wunderschönen, neuen Proberaum einschließen, um die Show (dann mit teilweise neuem Equipment) zu perfektionieren.

Was steht nun an und worauf freut ihr euch am meisten?

Ganz oben auf der Liste steht natürlich das Release unseres Debütalbums im November. Wir sind gerade voll in der Vorbereitung und es ist super spannend, weil jeden Tag News hinsichtlich Vertrieb, PR oder Video eintrudeln. Eine Tour war für Anfang 2014 geplant. Es wird jetzt zeitlich allerdings wohl etwas schwierig, dies umzusetzen. Es wird definitiv einige Gigs geben, nur wann wir die durchziehen können, ist eben noch nicht ganz sicher. Sonst: Wir haben schon angefangen, neues Material zu produzieren und freuen uns wahnsinnig darauf, noch weitere neue Songs zu schreiben.

Hat dieses Dilemma – mal abgesehen davon dass ihr nicht mehr euer gesamtes Equipment zur Verfügung habt – die Arbeit an eurem neuen Album in eine andere Richtung gelenkt oder neue Inspiration gebracht?

Die Arbeit an unserem Album hat die Sache nicht sonderlich beeinflusst, da wir im Entwicklungsprozess schon soweit waren, dass Änderungen an den Songs und Aufnahmen gar nicht mehr in Frage kamen. Vondaher glauben wir nicht, dass man einen „flüssigen Einfluss“ in unseren Songs bemerken wird.

Welche positiven Erfahrungen nehmt ihr aus dem Dilemma mit?

Der Zusammenhalt in der Band ist stärker denn je. Auf Fans, Freunde und Familie ist immer Verlass. Wir haben viele tolle neue Kontakte in der Region gewinnen können und haben endlich alle unser Schwimmabzeichen gemacht.

Die Fragen stellte Vivien Cahn.

Mehr Informationen zu i am poet. gibt es unter www.iampoetofficial.com und auf facebook. Den Song „Raindrops“ könnt ihr hier herunterladen.

Dieser Beitrag wurde unter News veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.